Welche Medikamente werden telemedizinisch in der Regel nicht verschrieben und für welche Medikamente sind Vorbefunde erforderlich?

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- Allgemeines 

- Medikamente die wir nicht über TeleClinic ausstellen können

- Medikamente für die wir Vorbefunde benötigen

 

 

 

Allgemeines:

Alle über TeleClinic ausgestellten Rezepte werden nach dem Ermessen der behandelnden Ärzte und Ärztinnen ausgestellt. Einen Anspruch auf den Erhalt der von Ihnen angeforderten Medikamente haben Sie im Rahmen der ärztlichen Behandlung über TeleClinic nicht.

1. Aus regulatorischen Gründen ist die Ausstellung von Betäubungsmittel-rezeptpflichtigen Medikamenten telemedizinisch nicht möglich.

Das Ausstellen von Rezepten zu verschreibungspflichtigen Medikamente, wie zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel, starke Schmerzmittel, leistungssteigernde Medikamente, Medikamente, die auf Grund Ihrer Nebenwirkungen einer engmaschigen ärztlichen oder laborchemischen Kontrolle unterliegen oder auch missbräuchlich eingesetzt werden können, unterliegt dem Ermessen des behandelnden Arztes.

Aufgrund einer erhöhten Gefahr der missbräuchlichen Verwendung solcher Medikamente wird die Verschreibung durch die Ärztinnen und Ärzte über TeleClinic zurückhaltend oder gar nicht vorgenommen.

Wir bitten Sie eindringlich, diese Medikamente in einer ärztlichen Untersuchung vor Ort zu klären.

2. Es werden auch keine Atteste ausgestellt, die einen Mehrbedarf von abgaben-beschränkten Medikamenten aus medizinischer Indikation rechtfertigen sollen. 

3. Die Verschreibung von in der Apotheke händisch herzustellenden Rezepturen ist über TeleClinic derzeit nicht möglich.

 

Für folgende Medikamente bitten wir Sie, 
sich an einen Arzt oder eine Ärztin vor Ort zu wenden:

1. Alle Betäubungsmittel (auch Opioide/Opiate):

Ausnahmslos werden keine Medikamente über TeleClinic verschrieben, die den besonderen Bestimmungen des Betäubungsmittelrechts (§ 12 BtMG, § 12 BtMVV) unterliegen.

Hierzu gehören u.a.:

    • Methylphenidat (Ritalin; Concerta; Methylphenidathydrochlorid)
    • Morphin (Capros, M-beta; M-STADA, Morphinsulfat)
    • Tilidin Tropfen
    • Sufentanil; Remifentanil; Fentanyl; Alfentanil; Buprenorphin; Hydromorphon; Methadon (Levomethadon); Diacetylmorhin; Oxycodon, Hydrocodon, Piritramid; Tapendadol; Pethidin; Dihydrocodein; Codein
    • u.a. 

2. Schlaf- und Beruhigungsmittel: 

Beruhigungsmittel, Schlaftabletten, Schlafmittel, wie beispielsweise:

    • Benzodiazepin-Derivate (Diazepam "Valium", Lorazepam "Tavor", Oxazepam, Alprazolam, u.a.) 
    • Z-Substanzen oder Z-Drugs (Zolpidem, Zopiclon, u.a.) 

3. Starke Schmerzmittel:

Opioide/Opiate, die nicht dem Betäubungsmittelrecht unterliegen: 

    • Tramadol
    • Tilidin/Naloxon
    • Codein
    • Dihydrocodein
    • Nalbuphin
    • Meptazinol
    • Naltrexon
    • Apomorphin
    • u.a.

4. Leistungssteigernde Medikamente:

Medikamente die auch missbräuchlich zur Steigerung der Leistungsfähigkeit im Sport (“Doping”, auch zur Beseitigung von Sideeffekts), der Lernfähigkeit (Smart Drugs, Nootropika) oder als "Partydrogen" eingesetzt werden können (egal ob als Monosubstanz oder in fixen Kombinationen):

    • Erythropoetin
    • Testosteron
    • Amphetamine (und deren Derivate-/Abkömmlinge) 
    • Tamoxifen
    • Clomifen 
    • Aromatasehemmer (Anastrozol, Letrozol, Aromasin (Exemestan))
    • Diuretika (Spironolacton, Furosemid, Torasemid, u.a.)
    • Desmopressin
    • Probenecin u.a.
    • Pseudoephedrin 
    • Phenylephrin 
    • Piracetam, Modafinil, Memantin

5. PrEP (orale HIV-Präexpositionsprophylaxe):

Medikamente zur PrEP werden über Teleclinic in der Regel nicht verschrieben, da Leitlinie zufolge eine aktuelle, negative HIV-Serologie (nicht älter als 14 Tage) mit einer Wiederholung vier Wochen nach Beginn der PrEP vorliegen muss. Außerdem: Ausschluss einer Infektion mit Hepatitis B (HBs-Ag, anti-HBc), Prüfung der HBV-Immunität sowie Ausschluss einer Nierenfunktionsstörung (Krea), Ausschluss einer Infektion mit Hepatitis C, Gonorrhoe, Chlamydien sowie Syphilis.
Auf der Seite www.prepjetzt.de finden Sie Ärzte und Ärztinnen, die sich diesem Thema verschrieben haben und Sie bestens beraten.

6. Medikamente, die durch Injektion verabreicht werden müssen:

    • Liraglutid 3mg (Saxenda) (außer im Rahmen einer besonderen ärztlichen Betreuung bei einem zur Adipositas Therapie qualifizierten Facharzt)
    • u. a.

Ausnahmen sind:

    • Medikamente für lebensrettende oder lebenserhaltende Zwecke (z.B. EpiPen, Glucagon) oder zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus (Insuline, GLP-1-Analoga). Entscheidend für die Verordnung von Medikamenten innerhalb dieser Ausnahmeregelungen ist immer die Vorlage von der Krankheit sichernden Vorbefunden

 

7. "Zentral" wirksame Medikamente

 wie:

    • Muskelrelaxantien
        • Baclofen (auch nicht zur Präventionsbehandlung eines Rückfalls bei chronischem Alkoholismus in der Zweitlinientherapie)  
    • Epilepsie-Medikamente
        • Antiepileptika wie Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin; Clonazepam (Rivotril)  u.a.
    • Weck- und Aufputschmittel (oder Medikamente mit diesen Nebenwirkungen)
        • Amphetamine-/Abkömmlinge: (Modafinil, Methylphenidat, Amfepramon, u.a.) 
    • Adipositasbehandlung (Ausnahme ist Orlistat und bei anderen Medikamenten eine besondere ärztliche Betreuung bei einem zur Adipositas Therapie qualifizierten Facharzt) 
        • Naltrexon/Bupropion (z.B. Mysimba)
        • Amfepramon (z.B. Tenuate retard, Regenon 25, Regenon retard) 
        • Cathinhydrochlorid (D-Norpseudoephedrinhydrochlorid) in Alvalin Tropfen (in Deutschland inzwischen vom Markt genommen)

8. Medikamente, die eine besondere Laborchemischen oder apparativen Überwachung benötigen:

  • Isotretinoin (Aknenormin u.a.): 
    dieses Medikament unterliegt besonderen Verordnungsregularien. Bei Frauen ist u.a. durch den geforderten monatlichen Schwangerschaftstest eine verantwortungsvolle Betreuung/Verschreibung über TeleClinic nicht möglich.
    Bei Männern ergibt sich die mögliche Verschreibung nach Abwägung von Alternativtherapien unter sorgfältiger Aufklärung und dem Beibringen von entsprechenden Laborwerten.
  • dieses Medikament unterliegt besonderen Verordnungsregularien. Bei Frauen ist u.a. durch den geforderten monatlichen Schwangerschaftstest eine verantwortungsvolle Betreuung/Verschreibung über TeleClinic nicht möglich.

9. Kinderwunschbehandlung:

Unerfüllter Kinderwunsch ist ein sehr drängendes und persönliches Thema. Vor die leitliniengerechte Behandlung gehört eine ausführliche Abklärung einer Vielzahl von möglichen Ursachen bei Ihnen aber auch bei Ihrem Partner oder Patnerin. Die notwendigen sehr komplexen Untersuchungen von körperlichen-, hormonellen-, genetischen Ursachen u.a., erfolgen für den Mann bei einem Urologen oder einer Urologin, bei der Frau bei einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin. Für beide Partner besteht auch die Möglichkeit eines Termins im "Kinderwunschzentrum".

Eine Verschreibung von in der Kinderwunschbehandlung eingesetzten Medikamenten zur hormonellen Stimulation.

Hierzu gehören:  

    • Clomifen 
    • Letrozol ("off-label" use bei PCO)
    • Choriogonadotropin alfa (Ovitrelle)
    • u.a. 

Eine ausführliche Beratung zu diesem wichtigen Thema ist selbstverständlich über unsere Ärzte und Ärztinnen möglich. 

10. Medikamente, die zum Schwangerschaftsabbruch eingesetzt werden: 

  • Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland gemäß § 218 Strafgesetzbuch (StGB) grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar. Es gelten aber folgende Ausnahmen, die Sie hier nachlesen können.
  • Misoprostol (Cytotec), Mifepriston, Mifegyne ("RU 486") werden generell über TeleClinic nicht verschrieben. 

Beratungsangebote zum Thema Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerschaftsberatung bekommen Sie z.B. bei pro familia   

Die sogenannte "Pille danach" gehört per Definition nicht zu den Medikamenten, die einen Schwangerschaftsabbruch einleiten. Die in Deutschland zugelassenen Präparate sind frei und ohne Rezept in der Apotheke verkäuflich. Diese sind: 

EllaOne 30 mg, Femke 30 mg, Lencya® 30 mg, Levonoraristo 1,5 mg, Levonorgestrel STADA® 1,5 mg, PiDaNa 1,5 mg, Postinor® 1500, unofem® HEXAL® 1,5mg, Ulipristalacetat AL 30 mg, Ulipristal Aristo 30 mg

Sehr gerne beraten Sie die Ärzte und Ärztinnen auch zum Thema "Notfallkontrazeption", sicher und diskret. 

11. Medikamente, die zur Geschlechtsumwandlung eingesetzt werden:

Medikamente für die hormonelle Unterstützung zur geschlechtsumwandelnden Therapie gehören in die Hände Ihres Facharztes oder Ihrer Fachärztin für Hormontherapie (Endokrinologie) und können von den Ärzten und Ärztinnen nicht verschrieben werden. 

 

12. Medikamente zur Steigerung der Milchproduktion:

Domperidon zum "Off-label-Gebrauch" zur Steigerung der Muttermilch Menge.

Sie können sich jedoch von erfahrenen Gynäkologen oder Hausärzten beraten lassen, wen sie vor Ort ansprechen können und z.B eine Stillberatung. Auch können Ihnen Empfehlungen wie Abpumpen, Ausstreichen, Wickeln, Anlegen, etc. bei der Videobehandlung gegeben werden.  

 

13. Cannabis

Das Ausstellen von Rezepten für verschreibungspflichtige Medikamente mit medizinischem Cannabis unterliegt dem Ermessen des behandelnden Arztes oder Ärztin. Da hier eine Gefahr von Missbrauch oder Abhängigkeit besteht, wird die Verschreibung durch die Behandler und Behandlerinnen i.d.R. zurückhaltend oder gar nicht vorgenommen.

  • Nabilon: Aus regulatorischen Gründen ist die Verschreibung von Betäubungsmittel rezeptpflichtigen Medikamenten über TeleClinic grundsätzlich nicht möglich. Das schließt die Ausstellung von Rezepten für eine Canemes (Nabilon) Verordnung aus.

 

 

Für folgende Medikamente sind Vorbefunde notwendig

Vorbefunde erleichtern generell die Arbeit der behandelnden Ärzte und Ärztinnen. Es ist immer richtig und wichtig Vorbefunde in Ihrer Patientenakte hochzuladen.

1. Bei allen Medikamenten, die die Psyche beeinflussen- hierzu gehören u.a.
- Antidepressiva
- Psychopharmaka wie Neuroleptika, Antikonvulsiva, Anxiolytika, Sedativa, Psychostimulanzien u.a.
2. Medikamente, die generell nicht bei TeleClinic verschrieben werden (s.o.), sind bei gezielten Rezeptwünschen immer Vorbefunde beizubringen.

 

 

 

Hilfsangebote bei Suchterkrankungen:

Hilfsangebote bei Suchterkrankungen finden Sie deutschlandweit im Internet oder gleich hier unter folgenden Kontakten: 

    • Hotline des Deutschen Roten Kreuzes (DRK): Telefon 08000 365 000 (kostenlos)
    • Online Suchtberatung der Caritas: https://beratung.caritas.de/suchtberatung
    • Sucht und Drogen Hotline: Telefon 01805 – 313031 (0,14€/Min aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42€/Min)
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